Motorradreisen

Tag 07, Fr. 29. Juni 2007

Bei herrlichem Sonnenschein steigen wir wohlausgeruht aus unseren Betten und lassen uns die doppelte Portion Frühstück munden, als Richie eine Nachricht von Alex bekommt. Alex hat seit vorgestern Resturlaub abgefeiert, zuhause in Deutschland seine DR 650 gegen Vattern´s TDM getauscht und ist uns kurzerhand nachgefahren. Mal eben 1200 Kilometer ist er durch Deutschland Dänemark und Schweden bis in die Nähe von Oslo gebraten, und hat sich heute Morgen auf den Weg Richtung Geilo gemacht. Wir wussten von seinem etwas außergewöhnlichen Wochenendtrip, aber dass wir uns in paar Stunden wirklich treffen sollen erscheint uns immer noch völlig verrückt. Wir machen aus, dass wir uns gegen 13:00 irgendwo auf der 7 treffen. Zunächst statten wir dem Rentierfell- und Norwegermützenhändler vom Vorabend noch einen Besuch ab. Wir halten mit dem bemerkenswerten Kerl einen gemütlichen Plausch. Er ist Kontargangeschädigt und sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Ohne Beine und nur mit einem Arm geboren überzeugt er nicht nur in dem Handling seines Rollis und durch seine Geschäftstätigkeit, er ist obendrein ein wirklich netter und aufgeschlossener Zeitgenosse. In seinem Verkaufstrailer hängen Fotos aus der norwegischen Presse, die ihn und seine Frau, eine Inuit, auf Hochzeitsreise in der Südsee zeigen. Er verkauft uns ein paar chice Norwegermützen als Mitbringsel für die Mädels daheim und Rentierfelle für unsere Sitzbänke, und erzählt uns von der Schotterpiste, die zwischen dem 1648 m hohen Sovarenuten und dem 1530 m hohen Berakupen in die Hardangervidda-Hochebene hinaufwindet. Wir lecken Blut und wollen das unbedingt noch mitnehmen. Der Gute hat uns nicht zuviel versprochen. Beinahe eine Stunde kraxeln wir an erst kürzlich abgegangenen Gerölllawinen und tosenden Wasserfällen vorbei eine enge Schotterpiste den Berg hinauf und bekommen oben angekommen einen Eindruck vom Hardangervidda-Nationalpark . Hier könnte man mal Wanderurlaub machen. Irgendwann. Im Moment wartet Alex auf uns. Also hechten wir die tolle Strecke wieder talwärts, durchqueren zum letzten Mal Sæbø und fahren nochmals hupend und winkend an unserem Freund im Rollstuhl vorbei.

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Nach einigen Kilometern voll schöner Kurven kommen wir zu der nächsten Sehenswürdigkeit, die wir bei der Vorbereitung auf unsere Reise eingeplant hatten. Den höchsten Wasserfall Nordeuropas, den Vøringfoss bei Fossli. Er stürzt sich in bedrohliche Tiefen, und während wir uns das von der gegenüberliegenden Seite ansehen, wundern wir uns einmal mehr über die nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen. Einen Schritt weiter, und wir würden über hundert Meter in die Tiefe stürzen. Entweder traut der norwegische Staat seinen Bürgern und Touristen mehr Verstand zu, oder hier wird weniger gegen den Staat geklagt, wenn man zu dumm zum Nicht-Herunterfallen ist. Richie telefoniert erneut kurz mit Alex und macht ab, ihn ein paar Kilometer weiter abzuholen, damit wir uns hier am Vøringfoss treffen. Basti und ich gehen noch ein wenig auf Erkundung und kaufen uns die obligatorischen Norwegen-Aufkleber für die Motorräder. Man soll auch später noch sehen, wohin es uns diesen Sommer verschlagen hat! Eine Dreiviertelstunde später kommt Richie mit Alex zurück und es gibt ein großes Hallo. Nun sind die Drei lustigen Vier vollständig, und nach einem kurzen Austausch über Alex´ Mördertrip und unsere Tagespläne geht es gemeinsam weiter.

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Wir würden mit Alex gerne am Follsjåsee, dem herrlichen Plätzchen vom ersten Tag, campen und haben somit noch gute 170 km für heute vor uns. Es ist zwar schon gegen 15:00 Uhr, trotzdem planen wir ein erst in ca. 90 km am Sønstevatnsee zu Kochen und zu Essen. Wir folgen der 7, die uns auf dem Weg nach Geilo erneut über 1250 m hohe Pässe an himmelblauen Bergseen vorbei führt und biegen in Geilo rechts auf die 40 nach Süden ab. Wir lassen es zügig angehen und kommen gegen 17:00 am Sønstevatnsee an.

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Auf der Suche nach einem schönen und windstillen Plätzchen zum Kochen finden wir eine sandige abfahrt zum Seeufer und einer einsamen Hütte. Wir biegen von der Straße ab und stecken nach 150 Metern richtig tief im Sand. Meine Gummikuh liegt beim Wendeversuch fast mit der Kardanwelle auf, so entscheide ich mich zum Gasgeben und ackere wieder 50 Meter mit viel Gas und wenig Geschwindigkeit den Weg hinauf. Die anderen Drei bleiben etwas weiter unten stehen, und wir packen hinter einem sandigen Grashügel das Kochgeschirr aus. Alex macht sich sofort beliebt, indem er Käse und Wurst zu unserem Kartoffelbrei beisteuert, damit hat er die Optionen auf „Wiedermalmitgenommenwerden“ endgültig gebucht.

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So gut gestärkt brechen wir auf in Richtung Follsjåsee. Wir wollen die letzte Nacht an der idyllischen Stelle campieren, an der wir am zweiten Tag unsere Mittagspause gemacht hatten.

Vorbei an Austbyd folgen wir östlich des Sjåvatnetsees der 364 bis Ormemyr. Auf der westlichen Seite des Follsjåsee fahren wir über Follseland nach Notodden, wo wir Geld, Dosenbierbestand und Benzin auffüllen. Über Hea geht es nun an das Ostufer des Follsjåsees. Vor dem unglaublich schönen Fleckchen Norwegen, das wir uns für diese Nacht zum Zelten auserkoren haben trifft uns fast der Schlag: Hat sich auf UNSEREM Nachtlager doch tatsächlich ein riesengroßes Wohnmobil breitgemacht, Vaddern und Muddi relaxen in ihren Klappstühlen an UNSEREM Ufer. Wir sind fassungslos. Der Himmel zieht sich immer dichter zu, die WOlken sind tiefschwarz, wie unsere Stimmung. Es hilft nichts, wir wollen ein schönes Lager für unsere letzte skandinavische Nacht dieses Urlaubs. Noch einmal nehmen wir die 364 unter die Räder und kämpfen uns durch den beginnenden Regen nach Austbyd. 10 Minuten nach 22 Uhr kommen wir dort an und können noch jemand von der Besitzerfamilie telefonisch erreichen. Die Hütte, die wir in der Nacht vom 2. auf den 3. Tag gemietet hatten ist vergeben, aber die nette Dame bietet uns die „Paradishytta“ an. Wir nehmen dankend an und sind im Paradies. Obwohl es draußen regnet. Die Hütte hat vier richtig bequeme Betten mit frisch bezogener Bettwäsche, heute Nacht bleiben die Schlafsäcke im Koffer! Außerdem gibt es einen ordentlichen Kanonenofen, den Alex sofort befeuert, binnnen Minuten wird es muckelig warm. Wir geben uns redlich Mühe unsere Essensvorräte zu dezimieren, das Projekt scheitert. Nach Suppe, Nudeln, Brot, Wurst und Bier geht es uns noch besser, und wir gönnen dem doofen Wohnmobilpärchen das Regenwetter…

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Uns fällt ein, dass wir immer noch nicht geangelt haben, also überreden wir Alex und Richie erneut das Boot des Vermieters zu kapern, und mit Jacken, Schwimmwesten und Faltangel bewaffnet rudern um Mitternacht wir auf den dunklen Sjåvatnetsee hinaus. Unsere Köder aus Salami und Brot finden jedoch völlig unerwartet keinen Gefallen bei den schuppigen Freunden unter Wasser, so müssen wir erfolglos umkehren.

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Nach einem gemütlichen Plausch krabbeln wir unter die gemütlichen Decken und sind im Nu im Reich der Träume. 

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