Motorradreisen

2008 Südosteuropa

Nachdem wir im Sommer 2007 mit relativ geringem organisatorischen und finanziellen Aufwand 3000 sehr schöne Kilometer auf unserer Norwegenreise abgespult haben, hat uns endgültig der Fernreisevirus gepackt. Motorradfahren musste uns nie einer schmackhaft machen, und Motorradurlaube auch nicht. Jetzt zieht es aber doch noch mal ganz anders in die Ferne. Wir haben große Pläne geschmiedet. Um die Ostsee soll es mal gehen, das hatten Richie und ich in 2005 schon vor. Nun waren wir gerade erst im Norden, und eigentlich wären etwas südlichere Gefilde ja auch mal was. Eine Reise entlang der Küste der iberischen Halbinsel? Warum nicht. Aber: Irgendwie steht die verrückte Idee einmal ganz weit in den Osten zu fahren, vielleicht in die Mongolei oder in die Himalaya-Region, ja auch im Raum. Die Idee war geboren, bevor Ewan McGregor und Charly Boorman ihre Kühe um den Longwayround getrieben haben. Die Road of Bones, die Straße des Todes, war schon einmal im Gespräch gefallen. Sebastian träumte schon länger von der Mongolei, und ich wollte schon immer einmal nach Kathmandu. Also: Wenn es denn in 2008 der Süden sein soll, warum nicht ans Schwarze Meer. Warum nicht schon damit beginnen, sich mit der Osteuropa zu befassen? Gesagt getan. Oder gesagt gedacht. Unsere Pläne lauteten bereits im Spätherbst 2007: 2007 Norwegen / 2008 Odessa-Istanbul / 2009 Ostseeumrundung / 2010 Mongolei.

Es gab für eine Schwarzmeertour einige Varianten, wie zum Beispiel einen Abstecher auf die Krim. Die interessanteste schien uns aber zu sein, nach Odessa, von dort aus mit der Fähre nach Istanbul und von dort aus wieder gen Heimat zu fahren. 3 Wochen hatten wir veranschlagt, und rund 7000km angepeilt.

Mit reichlich Vorlaufzeit haben wir also unabhängig voneinander Reiseberichte studiert, Reiseforen im Internet besucht, Kartenmaterial eingekauft und hier und da schon die ein oder andere Idee zusammen besprochen.

Etwa 2 Monate vor dem angepeilten Reisebeginn fing es dann an ernst zu werden. Wir stellten fest, dass unsere Terminabsprache einiger Korrekturen bedurfte, wir noch einige Unterlagen benötigten, wir noch keine feste Routenplanung hatten und obendrein die Sache mit der Fähre richtig kompliziert wurde. Wie wir es auch drehten und wendeten, die Fährverbindungszeiten passten nicht in unseren Reiseplan. So entschlossen wir uns für die Über-Land-Variante, wollten nun also bis nach Odessa fahren, und von dort an der Schwarzmeerküste entlang hinunter bis nach Istanbul.

Dank der vielen Tipps und hilfreichen Unterlagen, die wir von einem alten Hasen in Sachen Südosteuropa-Motorradtouren (vielen Dank an Martin aus Mühlheim a. M.) erhalten haben, sind wir mit der Planung dann Ende Juli soweit auch „durch“ gewesen.

Die (vorläufig) endgültige Tourplanung lautete: Gießen, Chemnitz, Tschechei, Slowakei, Ukraine, Odessa, Moldawien, Rumänien (Donaudelta), Bulgarien (Goldstrand), Istanbul, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Slowenien, Österreich, Gießen.

Kurz nachdem wir das soweit festgemacht hatten, begann sich auf der anderen Seite des Schwarzen Meeres ein militärischer Konflikt größeren Ausmaßes anzubahnen, und in den Karpaten gingen die heftigsten Regenfälle seit Jahrhunderten nieder. Wichtige Brücken waren zerstört und ganze Täler waren verwüstet.

Das waren nun nicht die Idealvoraussetzungen, und zwischenzeitlich sackte uns im Hinblick auf die Machbarkeit der Tour ein wenig das Herz in die Hose. Obendrein zeichnete sich bei meiner BMW ab, dass die Kupplung ihre Verschleißgrenze eventuell während der Tour erreichen könnte. Eine teuere Werkstattreparatur auf Verdacht kam nicht in Frage, und fürs selber Machen auf Verdacht war zu wenig Zeit. Nach ein paar Tagen Grübelei habe ich mich entschieden, einfach die nötigen Ersatzteile mitzunehmen. Was die Fahrbarkeit der Strecke anging erhielten wir unterschiedliche Infos und beschlossen daher, die Dinge auf uns zu kommen zu lassen.

Wir waren uns zumindest darüber im Klaren, dass wir alle drei weder um Ideen verlegen sind, noch dass es uns ernsthaft an Tatendrang oder Geschick mangelte, um uns auch aus unangenehmen Situationen herauszuwursteln. Für alle erdenklichen Fälle haben wir uns (teilweise doppelt und dreifach) abgesichert, und die Unwägbarkeiten, die wir schon ahnen konnten, wollten wir als Herausforderung sehen, statt als Hindernisse. Alles was über das von uns Leistbare hinausgehen könnte, stand unseres Erachtens dann nicht mehr in unsere Hand. Also nahmen wir auch eine gesunde Packung Gottvertrauen mit auf die Tour, die wir euch im Folgenden mit einigen Bildern und unserem Reisebericht vorstellen wollen…

 

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