Tag 01, Sa. 23. Juni 2007
Gegen 10.00 Uhr werden wir wenig nördlich von Hamburg von einem Regenschauer überrascht, der das Wasser auf der Autobahn binnen Sekunden zentimeterhoch steigen lässt. Nicht die besten Bedingungen für Richies Wohnmobil und den geliehenen Trailer mit unseren Motorrädern. Wir schwimmen ordentlich auf, und es beschleicht uns ein ungutes Gefühl. Mit jedem Kilometer, den wir seit 2.30 in der Früh nördlicher gekommen sind hat sich das Wetter unfreundlicher gezeigt.
Norwegens Süden und Mitte ist unser Ziel. Was wir in den letzten Tagen über unser Reisewetter erfahren haben scheint sich zu bestätigen. Die Meteorologen im Internet arbeiten mit Symbolen. Wolken mit einem Tropfen darunter bedeuten Schauer. Zwei Tropfen bedeuten Regenwetter. Zwischen Oslo und Bergen ist für die nächsten Tage eine Wolke mit DREI Tropfen eingezeichnet…
Egal. Wir sind ja keine Mädchen. Und wir haben neben unserer wasserfesten Textilkleidung zusätzlich Regenkombis und Stiefelüberzieher mitgenommen. Überhaupt sind wir ganz gut ausgerüstet…
Zu gut scheinbar. Als wir gegen Mittag in der Nähe von St. Peter Ording vor Richies Ferienhaus stehen und die abgeladenen Motorräder bepacken, merken wir, dass wir mit unserer Ausrüstung vermutlich eher nach Weltreise, als nach 10 Tagen Norwegen aussehen. Wir haben drei (!) Zelte dabei.
Man will ja schließlich auch repräsentieren. Wenn mal Besuch kommt. Oder wenn man mal Billard spielen will. Und sei es auch nur…
Es ist bereits Spätnachmittag als wir endlich im Sattel sitzen. Vor uns 500km Autobahn. Tagesziel: Fährhafen Hirtshals in Norddänemark. Noch wird unsere Müdigkeit überlagert von einer aufgeregten Vorfreude. Es geht endlich los!
In Flensburg machen wir noch einmal Rast um Bekannte von Richie zu besuchen und zu essen. Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt und wir werden von den Nordfriesen ermutigt. Für unsere nächtliche Fahrt durch Dänemark hätten wir sicher keinen Regen zu erwarten.
Dass die dänische Autobahnpolizei bei überhöhter Geschwindigkeit keinen Spaß versteht hat man uns auch erzählt. So fahren wir mit Tempo 130 in die nicht enden wollende Dämmerung hinein. Als die Gebüsche am Rand der Autobahn zu Figuren werden, die uns angucken, und die Schatten von Bäumen auf uns zukriechen, merken wir, wie lange wir schon auf den Beinen sind. Im Grunde hat keiner von uns seit Freitagmorgen richtig geschlafen. Mit allen Mitteln versuchen wir uns wach zu halten, doch gelegentlich gibt die Augenlidmuskulatur Sekundenlang nach. Ein kurzer Druck auf den Hupenknopf holt den jeweiligen Ausbrecher kurz vor dem Seitenstreifen wieder ins Leben und auf die Autobahn zurück.

